Katja Stuke & Oliver Sieber

[…] In ihrer seit 1999 andauernden Zusammenarbeit haben Stuke & Sieber mit beharrlicher Stringenz und Offenheit (!) gegenüber den spezifischen Entwicklungslinien der Fotografie einen eigenen Werkbegriff moduliert, der überaus spektrumsreich ist und hierdurch dem Medium aufs Trefflichste gerecht wird. Denn er reflektiert auf gleiche Weise virulente epistemologische Fragestellungen wie anthropologische Parameter. Er lässt sich bewusst eben nicht auf einen einzigen Stilbegriff einengen. Er berücksichtigt vielmehr komplexe medientechnische Aspekte und rezeptionsbezogene Mechanismen. Er begreift Bildarbeit als Kommunikationsarbeit. Und nicht zuletzt unterhöhlt er mit Kalkül tradierte Wertkategorien der Fotografie, die sich u.a. in den Begriffen frei und angewandt spiegeln. Es ist also eine konsequent auf die Zukunft hin ausgerichtete Perspektive, die die bisherigen Projekte von Stuke & Sieber auszeichnen. Im Bezug auf die vorherrschenden digitalen Strömungen der Gegenwart tangiert ihre Bildarbeit die drei Faktoren Produktion, Distribution, Rezeption gleichermaßen. Und als viertes Element entwickelt die Perspektive auch innovative ästhetische Bildstrategien. Der Fokus lässt sich bei beiden Persönlichkeiten konkret werkbiografisch fassen. Katja Stuke geht in ihrer stark medienreflektierten Arbeit den unterschiedlichen Einflussfaktoren der Gesichtserkennung nach. In portraithaften Aufnahmen – zum Beispiel in der Werkgruppe »Supernatural« – untersucht sie die Frage von Identität an der Fallhöhe von Material- und Vorstellungsbild. Bei letzterem wird im Abgleich zu den dominierenden Bilderwelten der Gegenwartskultur die medienspezifischen Prozesse des Erkennens diskutiert. Diese Skepsis trifft auch auf jüngere Werkserien zu, in der sie sich urbanen Themenfeldern zuwendet. Auch bei Oliver Sieber lässt sich eine Hinwendung zu identätsbezogenen Themen beobachten. So widmet er sich in Werkserien den internationalen Erscheinungsformen aktueller Jugendkultur. Stilistisch sensibel an die Portraittradition eines August Sander angelehnt und bewusst mit Typologien agierend, loten seine Serien das Nischenbewusstsein einer jugendliche Identität im globalem Raum aus. Christoph Schaden